Schleichende Erschöpfung – warum wir sie überhören und wie du aus der Spirale aussteigst
- Katharina Winner

- 7. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Du nimmst dir vor, endlich langsamer zu machen. Nicht mehr alles an dich ranzulassen. Dich besser um dich zu kümmern.
Und trotzdem drehst du dich weiter – wie in einer Spirale, aus der du allein kaum herauskommst. Du funktionierst, weil du glaubst, sonst den Anschluss zu verlieren – an die Arbeit, an andere, vielleicht auch an dich selbst.
Ich kenne das gut. Und ich höre es in fast jedem Coaching:„Ich wollte ja langsamer machen, aber irgendwie bin ich gleich wieder reingerutscht.“
Wir sind darauf konditioniert, zu funktionieren. Und genau das macht Erschöpfung so tückisch – sie fühlt sich am Anfang an wie Stärke. Doch sie entzieht uns leise das, was uns eigentlich stark macht.
Was im Körper passiert
Wenn du dauerhaft unter Stress stehst, schaltet dein Körper in den Überlebensmodus. Dein Nervensystem hält dich in ständiger Alarmbereitschaft – Adrenalin, Cortisol, Herzfrequenz und Muskelspannung bleiben hoch.
Anfangs fühlst du dich wacher, fokussierter, vielleicht sogar produktiver. Doch dein System kann das nur begrenzt kompensieren. Der Körper beginnt, Energie umzuleiten – weg von Verdauung, Hormonsystem und Regeneration hin zu: Überleben.
Das spürst du als bleierne Müdigkeit, Spannung im Körper, Herzklopfen, Reizbarkeit, Schlafprobleme oder das Gefühl, innerlich „abgeschaltet“ zu sein. Wenn du dich in dieser Phase zwingen willst, dich zu entspannen, funktioniert es oft nicht. Denn dein System glaubt, es sei nicht sicher genug, um loszulassen.
Erschöpfung ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Zeichen eines Körpers, der zu lange stark war.
Warum wir Erschöpfung überhören
Wir verwechseln Belastbarkeit mit Gesundheit. Wir glauben, wer stark ist, hält durch – auch wenn der Preis hoch ist.
Innere Antreiber wie „Sei perfekt“, „Mach’s allen recht“ oder „Reiß dich zusammen“ treiben uns weiter.Und unsere Kultur belohnt das: Leistung, Anpassung, Kontrolle.
Gleichzeitig glauben viele, langsamer zu werden bedeute, Kontrolle oder Relevanz zu verlieren. Das ist die eigentliche Spirale: Je erschöpfter wir sind, desto mehr versuchen wir, es zu kompensieren – bis der Körper irgendwann stoppt.
Die frühen Warnsignale
Erschöpfung beginnt selten mit einem Zusammenbruch. Sie kündigt sich leise an.
Körperliche Warnsignale
Anhaltende Verspannungen, Druck im Nacken oder Brustkorb
Unruhiger Schlaf, frühes Erwachen, Herzklopfen
Verdauungsprobleme, Heißhunger oder Appetitlosigkeit
Häufiges Frösteln, Kopfschmerzen, Muskelzittern
Emotionale Warnsignale
Reizbarkeit, Rückzug, Gleichgültigkeit
Gefühl, „neben sich“ zu stehen
Überforderung schon bei kleinen Aufgaben
Verlust an Freude, Motivation oder Empathie
Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, ist das kein Grund zur Panik – aber ein deutliches Zeichen, dass du etwas verändern darfst.
Was du wirklich tun kannst
Wenn du dich hier wiedererkennst, geht es nicht darum, mehr zu tun.Es geht darum, etwas anders zu tun.
1. Bewegung als Rückverbindung, nicht als Leistung
Beweg dich, um dich zu spüren – nicht, um etwas zu erreichen.Ein Spaziergang, eine Runde Krafttraining, bewusstes Atmen in Bewegung.Bewegung reguliert das Nervensystem und hilft, gespeicherte Spannung zu lösen.
2. Reizreduktion – klare Grenzen für Bildschirme
Bestimme feste Zeiten, in denen du nicht erreichbar bist.Schalte Benachrichtigungen aus.Kein Scrollen im Leerlauf – dein Gehirn braucht Stille, um sich zu regenerieren.
3. Schlaf schützen wie einen Termin
Schlaf ist keine Schwäche, sondern biochemische Reparatur.Regelmäßige Zeiten, Dunkelheit, kein Blaulicht eine Stunde davor.Je stabiler dein Rhythmus, desto schneller kann dein System wieder regulieren.
4. Ernährung als Unterstützung
Iss regelmäßig und ausreichend Eiweiß – sonst fehlt deinem Körper das Material für Hormonbalance und Zellreparatur.Trink genug Wasser. Alkohol oder Zucker helfen kurzfristig, verschlechtern aber langfristig die Regeneration.
5. Die innere Sprache verändern
Achte auf dein „Ich muss noch …“.Halte kurz inne und frag dich: Muss ich – oder glaube ich, dass ich muss?Dieser kleine Moment ist der Anfang von Selbstregulation.
Wenn du merkst, du kommst allein nicht mehr raus
Erschöpfung löst sich nicht durch mehr Willenskraft. Sie löst sich durch Bewusstheit, Verbindung und gezielte Unterstützung.
Wenn du spürst, dass du wieder lernen möchtest, dich wirklich zu erholen – nicht nur auszuhalten –, kann mein Walk & Talk der richtige Einstieg sein. Wir treffen uns online für eine Stunde, schauen genau hin, wo du gerade stehst, und erarbeiten konkrete erste Schritte, mit denen du wieder in Bewegung kommst – innerlich wie äußerlich.
Und wenn du merkst, dass du akut im roten Bereich bist: Schau dir auf meiner Website (nter Angebote) meinen SOS-Plan bei Erschöpfung an – eine kompakte Erste Hilfe, um dein System zu stabilisieren und wieder Boden unter den Füßen zu spüren.
Alles Liebe
Katharina



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