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Verantwortung für die eigene Gesundheit: Warum sie nicht delegierbar ist

  • Autorenbild: Katharina Winner
    Katharina Winner
  • 5. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wer ist eigentlich verantwortlich für unsere Gesundheit?Eine einfache Frage – und doch begegnet mir in meiner Arbeit als Dozentin, Coach und Mentorin immer wieder dieselbe Dynamik:Menschen geben die Verantwortung gern weiter.

Der Mitarbeiter sagt: „Mein Chef macht mich krank.“Der Chef sagt: „Jeder ist selbst für seine Gesundheit verantwortlich.“Und am Ende fühlt sich niemand zuständig.


Wenn Verantwortung in der Luft hängt

Diese Haltung sehe ich in vielen Unternehmen, aber auch im Alltag. Wir suchen Gründe im Außen – in der Arbeit, in der Familie, in der Gesellschaft – und übersehen dabei, dass Gesundheit immer auch bei uns selbst beginnt.

Wer Verantwortung abgibt, gibt ein Stück Gestaltungskraft ab.Und genau das führt auf Dauer zu Stress und Erschöpfung.

Denn solange wir glauben, andere müssten sich zuerst verändern – die Arbeitsbedingungen, die Kolleg:innen, die Politik – blockieren wir die einzige Kraft, die wir wirklich haben: die Selbstverantwortung.


Was Selbstverantwortung wirklich bedeutet

Selbstverantwortung heißt nicht, alles allein schaffen zu müssen.Es heißt, ehrlich hinzuschauen: Wie geht es mir wirklich?Was brauche ich, um mich gesund, stabil und lebendig zu fühlen?Und dann ins Handeln zu kommen – Schritt für Schritt.

Das kann bedeuten, Grenzen zu setzen, Gespräche zu suchen oder Pausen ernst zu nehmen.Es kann heißen, Routinen zu hinterfragen, den eigenen Körper wieder zu spüren oder Prioritäten neu zu ordnen.

Gesundheit entsteht nicht durch ein einzelnes Seminar oder ein „Wellness-Wochenende“, sondern durch bewusste, wiederkehrende Entscheidungen im Alltag.


Die Rolle von Führungskräften – Rahmen statt Rettung

Als Führungskraft trägst du ebenfalls Verantwortung – nicht für die Gesundheit deiner Mitarbeitenden, sondern für die Bedingungen, unter denen sie arbeiten.

Das bedeutet:

  • realistische Arbeitsbelastung,

  • Wertschätzung und klare Kommunikation,

  • Raum für Pausen, Entwicklung und Austausch,

  • und eine Unternehmenskultur, in der Gesundheit kein Lippenbekenntnis ist.

Gesundheitsförderung beginnt nicht mit einem Obstkorb, sondern mit Haltung.Wenn Menschen erleben, dass ihr Wohlbefinden wirklich zählt, verändern sich Motivation, Loyalität und Leistung – ganz ohne Druck.


Warum Stress kein Feind ist – aber Dauerstress krank macht

Stress an sich ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil:Er aktiviert, mobilisiert Energie, lässt uns wachsen.Doch er wird gefährlich, wenn er dauerhaft bleibt und unser System keine Erholungsphasen mehr bekommt.

Der Psychologe Richard Lazarus beschrieb Stress als ein Ergebnis von Bewertung.Wir erleben dann Stress, wenn wir eine Situation als bedrohlich oder überfordernd einschätzen – und glauben, keine ausreichenden Bewältigungsstrategien zu haben.

Das erklärt, warum zwei Menschen auf dieselbe Situation ganz unterschiedlich reagieren können.Der eine empfindet sie als Herausforderung, der andere als Belastung.

Und genau hier kommt Selbstverantwortung ins Spiel:Wer seine Grenzen kennt, frühzeitig Signale wahrnimmt und rechtzeitig gegensteuert, beugt Erschöpfung und Burnout vor.


Erschöpfung ist kein persönliches Versagen

Viele meiner Klientinnen glauben anfangs, sie hätten versagt, weil sie erschöpft sind.Dabei ist Erschöpfung kein Zeichen von Schwäche – sondern ein Signal des Körpers, dass etwas im System nicht mehr stimmt.

Selbstverantwortung heißt also auch, auf diese Signale zu hören, bevor sie lauter werden.Das ist keine Egozentrik, sondern gelebte Burnout-Prophylaxe.


Wenn beide Seiten Verantwortung übernehmen

Gesunde Unternehmen entstehen dort, wo Menschen Verantwortung gemeinsam tragen:

  • Führungskräfte, die Strukturen schaffen, in denen Menschen sich entwickeln können.

  • Mitarbeitende, die ihre Grenzen und Bedürfnisse ernst nehmen.

  • Teams, die offen miteinander sprechen, wenn Belastung zu groß wird.

Dann entsteht ein Kreislauf, in dem Gesundheit selbstverständlich wird – nicht als Projekt, sondern als Teil der Kultur.


Mein Appell

Gesundheit ist nicht delegierbar.Sie beginnt bei dir – in den kleinen, alltäglichen Entscheidungen, in Momenten der Achtsamkeit, in der Art, wie du arbeitest, isst, schläfst, denkst und fühlst.

Selbstverantwortung ist keine Bürde.Sie ist Freiheit – und die Grundlage echter Lebendigkeit.

Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Verantwortung füreinander übernehmen –und bei uns selbst anfangen.

 
 
 

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