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Abends ein Glas Wein – und trotzdem erschöpft. Wie Alkohol uns heimlich Energie raubt

  • Autorenbild: Katharina Winner
    Katharina Winner
  • 10. März
  • 4 Min. Lesezeit

Von Katharina Winner | www.katharinawinner.de


frau trinkt champagner

Es gibt Abende, an denen man sich einfach nur hinsetzen und durchatmen will. Der Tag war lang, die To-do-Liste gefühlt endlos, die eigene Energie irgendwo auf der Strecke geblieben. Und dann: ein Glas Wein. Vielleicht zwei.

Es fühlt sich so normal an. So verdient. So menschlich.

Ich kenne dieses Gefühl sehr gut – aus eigener Erfahrung.


Wie es bei mir begann

Nach dem Tod meiner Mutter wurde das Abendglas Wein zu einem Ritual. Nicht laut, nicht dramatisch – einfach da. Ein kleiner Anker in Tagen, die sich zu groß anfühlten. Trauer sucht sich ihren Weg – und Alkohol macht es leichter, sie eine Weile nicht zu fühlen.

Aus einem Glas wurden zwei. Aus Wein wurde Bier, weil ich den Wein irgendwann gar nicht mehr vertragen habe – was eigentlich ein Signal hätte sein sollen. 1,5 Jahre lang schlich sich das ein, leise und ganz selbstverständlich.

Irgendwann war der Gedanke da: Ein Leben ohne Alkohol? Unvorstellbar.

Das ist der Moment, an dem es aufhört, nur Genuss zu sein.


Warum wir trinken – und warum das so verständlich ist

Alkohol am Abend ist gesellschaftlich tief verankert. Er steht für Entspannung, für Belohnung, für das Ende eines langen Tages. „Ich hab's mir verdient" ist kein Zeichen von Schwäche – es ist ein völlig nachvollziehbares Gefühl in einer Gesellschaft, die uns permanent unter Druck setzt.

Besonders in Lebensphasen, die von Verlust, Veränderung oder Überforderung geprägt sind – Trauer, Trennung, Perimenopause, berufliche Umbrüche – greifen viele Menschen zu Alkohol als schnell verfügbarem Regulationsmittel.

Das Problem: Es funktioniert. Kurzfristig.

Und genau deshalb ist es so schwer, dieses Muster zu erkennen.


Was Alkohol mit deinem Körper nachts wirklich macht

Schlaf – die große Lüge

Alkohol lässt uns schneller einschlafen. Das stimmt. Aber er ruiniert die Schlafqualität grundlegend.

Alkohol unterdrückt den REM-Schlaf – die Schlafphase, die für emotionale Verarbeitung, Gedächtnis und echte Erholung zuständig ist. In der zweiten Nachthälfte kommt es zu einem Rebound-Effekt: Der Körper arbeitet auf Hochtouren, um das Acetaldehyd (ein Abbauprodukt von Alkohol) zu verarbeiten. Das Ergebnis: Unruhiger Schlaf, frühes Aufwachen, Herzrasen, Schwitzen.

Wer morgens trotz 8 Stunden Schlaf müde aufwacht, sollte diesen Faktor ernstnehmen.


Energie und Erholung

Erschöpfung, die sich trotz Schlaf nicht bessert – das ist ein klassisches Muster bei regelmäßigem Alkoholkonsum. Der Körper ist beschäftigt mit Entgiftung, nicht mit Regeneration. Langfristig führt das zu chronischer Müdigkeit, schlechterer Stressresistenz und einem Gefühl von: Ich komme einfach nicht in die Gänge.


Wassereinlagerungen und Gewicht

Alkohol ist entwässernd und gleichzeitig eine Ursache für Wassereinlagerungen – ein Widerspruch, der sich im Körper unangenehm bemerkbar macht. Dazu kommt: Alkohol enthält fast so viele Kalorien wie Fett (7 kcal/g), wird aber priorisiert verstoffwechselt. Alles andere – Fett, Zucker – wartet. Gewichtszunahme ohne klare Erklärung kann hier eine Wurzel haben.


Haut und Alterung

Alkohol beschleunigt oxidativen Stress, hemmt die Kollagenproduktion und beeinträchtigt die Hautregeneration. Wer sich fragt, warum die Haut müder wirkt oder schneller altert, bekommt hier eine oft übersehene Antwort.


Langfristige Folgen

Die Forschung ist inzwischen eindeutig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Empfehlungen verschärft: Es gibt keine sichere Menge Alkohol. Auch moderater Konsum erhöht das Risiko für verschiedene Krebsarten (Brust, Darm, Leber, Speiseröhre), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und Knochendichteabbau.

Gerade für Frauen in der Perimenopause und Menopause ist das relevant: Östrogenspiegel, Knochendichte und Herzgesundheit stehen ohnehin unter Druck – Alkohol verstärkt diese Prozesse.


Der Wendepunkt

Bei mir kam er durch eine gesundheitliche Diagnose. Nichts Dramatisches, aber etwas Langfristiges – etwas, das mir klar gemacht hat: Ich kann jetzt die Weichen stellen. Für meinen Körper in 20, 30 Jahren.

Das hat etwas verschoben.

Nicht Willenskraft. Nicht ein Moralprinzip. Sondern eine klare Entscheidung aus Selbstfürsorge.


Wie sich das Leben ohne Alkohol anfühlt

Ehrlich gesagt: viel einfacher.

Kein schlechtes Gewissen mehr. Kein Suchtgedanke, der sich einschleicht. Mehr Energie, mehr Klarheit, bessere Erholung. Und vor allem: das Gefühl, meinen Körper wirklich wertzuschätzen – nicht zu betäuben.

Das ist keine Heldengeschichte. Ich habe nicht „gekämpft" und „gewonnen". Ich habe einfach irgendwann verstanden, dass der Alkohol nicht die Ruhe gebracht hat, die ich gesucht habe. Er hat nur die Erschöpfung überdeckt.


Was tun, wenn Alkohol zur Gewohnheit geworden ist?

Keine Checkliste, keine Regeln. Aber ein paar ehrliche Fragen:

  • Trinkst du, um runterzukommen – weil du keine andere Möglichkeit kennst?

  • Hast du das Gefühl, dass du ohne den Abenddrink nicht wirklich abschalten kannst?

  • Ist der Gedanke „einfach mal nicht trinken" unangenehm oder beängstigend?

Wenn ja, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht mit Scham. Sondern mit Neugier.

Der Körper zeigt oft schon lange, dass etwas nicht stimmt – durch Schlafprobleme, Erschöpfung, Gewichtszunahme, ein diffuses Gefühl von „nicht ganz da sein". Er wartet darauf, gehört zu werden.


Fazit

Alkohol als Entspannungsritual ist gesellschaftlich normal – und trotzdem ein häufiger, unsichtbarer Faktor hinter chronischer Erschöpfung, schlechter Regeneration und langfristigen Gesundheitsrisiken.

Wer sich fragt, warum er trotz Schlaf nicht erholt aufwacht, warum die Energie fehlt, warum der Körper sich schwerer und müder anfühlt – diese Frage verdient einen ehrlichen Blick.

Nicht als Selbstanklag. Als Anfang.


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